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... der 2. Akt: eine Radtour durch die Wetterau und den Taunus: Im Wechselzelt kümmerten sich sofort Helfer um die
ausgezogenen Schwimmsachen und verpackten diese in die nun leeren blauen Beutel.
Zu Wechseln gab es bei mir nicht viel. Socken, Radschuhe und die Startnummer.
Weiter geht's.
Auch das Rad ist schnell gefunden, obwohl noch
ungewöhnlich viele Räder im Wechselbereich stehen - der letzte bin ich definitiv
nicht. Es dauert einen Moment, bis ich den Helm schließen kann, aber dann laufe
ich locker zur Radstrecke.
Locker war wohl auch die Kette. Die fällt nämlich
beim Aufsteigen von den Kettenblättern. Da muss ich doch schon etwas mit der
Fassung ringen. Das Auflegen gelingt nicht sofort - erst als ein Zuschauer mein
Rad festhält klappt es. Ich hasse schwarze Finger! Damit kann ich doch nicht den
ganzen Tag unterwegs sein. Zum Glück habe ich einen Schweißfänger am Arm, der
nun als Lappen herhalten muss.
Kurzum: nach 1 Stunde und 22 Minuten drehen sich die
Pedalen rund. Das ist schon ein kleines Polster von 8 Minuten.
Die 13 KM Anfahrt zum Mainkai in Frankfurt vergehen
wie im Fluge. Der KM-Schnitt liegt bei deutlich über 34 KM. Es geht leicht
bergab und der leichte Wind kommt wohl auch von hinten. Da das Feld natürlich zu
diesem Zeitpunkt recht eng ist, müssen wir besonders auf die Einhaltung der
Windschattenregeln aufpassen.
10 Meter zum Vordermann, 2 Meter zur Seite beim Überholen, das wiederum nach 30
Sekunden abgeschlossen sein muss.
Wettkamprichter auf Motorrädern überwachen das
Prozedere zu diesem Zeitpunkt recht genau. Bei Nichtbeachtung droht eine
Zeitstrafe von 6 Minuten, Wiederholungstäter werden disqualifiziert.
Am Mainkai herrscht zu dieser Stunde, es ist jetzt
9:45h, noch Ruhe. Unter den wenigen Zuschauern kann ich Christine nicht ausfindig
machen - entweder ist sie doch noch zum See gekommen, oder schläft noch
;-))
Jetzt beginnt das Radrennen erst richtig. 2 Runden á
84 KM liegen vor uns. Ich bin gut dabei, kann jede Menge Athleten überholen, und
das ohne jede gefühlte Anstrengung (wäre auch schlimm, wenn ich jetzt schon
zurückschalten müsste).
Nach rund 20 KM kommen wir in Bergen-Enkheim zur
ersten Steigung. An "The Beast" haben sich schon viele Zuschauer eingefunden,
die gute Stimmung machen. Kurz danach kommt die erste Verpflegungsstation der
Strecke. Hier tanke ich nach und fülle direkt meine Aerobottle im Lenker wieder
auf. Das frische Wasser mische ich mit 250 ml Maltogemisch.
Ich habe mir
vorgenommen, auf 20 KM eine Flasche (750ml) zu trinken. Auf der nun folgenden
Abfahrt breche ich noch einen Powerriegel an, um etwas zu beißen zu bekommen.
Hunger oder Durst habe ich nicht, beidem muss ich permanent vorbeugen und die
Kohlenhydratzufuhr sicherstellen.
In Maintal kommen wir zum nächsten Stimmungsnest. An
der der Steigung im Ortszentrum stehen die Zuschauer dicht gedrängt. Zwei
"Teufel" machen dem Namen "The Hell" alle Ehre. Unangenehm zu fahren ist diese
Kopfsteinpflasterpassage und kostete vielen Athleten Teile der Ausrüstung.
Zumindest verloren gegangene Trinkflaschen konnten an der folgenden "Bottle Station" in
Wachenbuchen wieder ersetzt werden.
Der nun folgende "Hühnerberg" forderte zum ersten
Mal die Beine. Der ca. 5 KM lange Anstieg ist aber auch für Flachländer wie mich
gut zu fahren und gab mir die Chance auch hier noch überholen zu können. Auch
hier stehen wieder Zuschauer und feuern alle an. In "Tour de France - Manier"
wurden viele Namen der Teilnehmer auf den Asphalt gemalt. Klasse.
Klasse ist auch die nun folgende lange Abfahrt, auf
der ich meine Höchstgeschwindigkeit des heutigen Tages von 61 KM/h erreiche. Als
absoluten Vorteil empfinde ich, dass ich die Strecke bereits einmal im
Winter gefahren bin, und noch so ungefähr weiß, was auf mich zu kommt.
Relativ unspektakulär sind die Ortsdurchfahrten
Niddatal, Bad Nauheim und Friedberg. Überall allerdings stehen Zuschauer und
haben mehr oder weniger große Feste vorbereitet. Bei trockenem und warmen Wetter
riecht es nach lecker Bratwurst und Bier.
Nach der Wende in Bad Nauheim geht es jetzt auch
mehr gegen den Wind, was aber kein Problem darstellt. Ich wundere und freue mich
gleichermaßen, dass ich meine Beine noch immer nicht spüre. Auch nicht am
berühmt berüchtigten "Heartbreak Hill" in Bad Vilbel.
Hier bekommt jeder Teilnehmer das versprochene
Gänsehautfeeling. Die dicht in mehreren Reihen hintereinander stehenden Zuschauer
bilden eine enge Gasse, durch die max. 2 Fahrer nebeneinander passen, wenn's gut
geht. Gut 85 KM sind jetzt gefahren, auf den kommenden 15 KM bis zum Mainkai
geht es stetig bergab. Hier ist jetzt wieder schnelleres Fahren angesagt bei
lockerem Treten.
Ich erreiche nach 2:52h den Mainkai und habe meine erste
Runde beendet. Ich bin gut zufrieden, habe ich doch ein weiteres Polster zum
unterbieten der 12-Stunden-Marke geschaffen. Die Zwischenzeiten auf 10 KM lagen
bis auf den Anstieg in Bad Vilbel alle zwischen 16:45 und 18:50 Minuten. Der
Split in Bad Vilbel war mit 20:05 Minuten aber nicht wirklich schlecht für eine
bescheidenen Verhältnisse. Insgesamt bislang ein KM-Schnitt von 33,38 KM/h.
Kein Hunger, kein Durst. Müde im Kopf werde ich auf
der zweiten Runde. Ich würde gerne für einen Moment die Augen zu machen...
Als wir wieder auf die Kopfsteinpflasterpassage bei "The Hell" kommen, merke ich
das erste Mal die beginnende Erschöpfung der Beine. Ich beschließe es ab sofort
langsamer angehen zu lassen, da der Hühnerberg und Bad Vilbel noch vor uns
liegen. Außerdem schlägt das Wetter allmählich um, der Wind ist stärker
geworden. Die Temperatur liegt jetzt um die Mittagszeit bei ca. 24 Grad.
Trotzdem bekomme ich im Gegenwind schon eine Gänsehaut.
In Friedberg höre ich, dass ich wohl auf Platz 1050
liege - damit, sofern die Ansage wirklich mir gilt, bin ich einmal mehr
zufrieden.
Die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind doch
deutlich gesunken. Nicht nur bei mir. Aber dennoch wurmt es mich schon etwas,
das ich auf den letzten 50 KM doch häufiger überholt werde, als ich selbst
überholen kann. Der Tote Punkt ist dann auch irgendwann da. Die Schultern und
die Nackenwirbel schmerzen. Die Oberschenkel brennen an den Anstiegen und in Bad
Vilbel bin ich mir nicht mehr zu schade, auf das kleinste Kettenblatt herunter
zu gehen. Das wollte ich eigentlich vermeiden. Der Allerwerteste tut weh, der
Anzug und der Sattel drücken und scheuern im Schritt. Ich fahre mir einen Wolf.
Ein "kleiner" zwar, aber als komfortabel möchte ich das
momentan nicht gerade bezeichnen. Ich bedauere die Fahrer, die noch weit hinter mir sind.
Alles Jammern nützt aber nichts, die Schmerzen sind
fast vergessen, als es jetzt wieder herunter nach Frankfurt geht. In der
Innenstadt lasse ich mich noch einmal zu einem kleinen Sprint hinreißen und
fahre mit einer dicken Gänsehaut und einem Anflug von Siegesgefühl über den
Mainkai in die zweite Wechselzone hinein. Das Fahrrad wird mir von Helfern quasi
aus den Händen gerissen und irgendwo abgestellt.
Nach 5:35:53h, die wie im Fluge vergangen sind. Die
Durchschnittsgeschwindigkeit über 180 KM lag bei 32,15 KM/h und übertraf meine
Erwartungen bei weitem.
Auf zum Cooldown...
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