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... und zum Cooldown: Der Marathon:

Eine weitere Helferin begleitet mich zum Kleiderbeutelständer, eine weitere gibt mir den Beutel mit dem ich in das Wechselzelt laufe. Ich habe die Socken und Schuhe noch nicht gewechselt, da hat ein neuer Helfer bereits meine Radsachen in dem Beutel verpackt und bringt ihn weg.

Nach knapp zwei Minuten bzw. 6:58:11 h  bin ich auf der Laufstrecke. Irre, was hier abgeht. Nicht nur der rote Teppich auf den ersten Metern macht eine weitere Gänsehaut. Vor allem die jetzt zahlreichen Zuschauer an der hier noch abgesperrten engen Laufstrecke grölen, rufen, klatschen, singen und feuern an, was das Zeug hält.

Ab jetzt kommt an der Laufstrecke alle 1,5 KM ein Verpflegungsstand mit Eis, Wasser, Cola, Iso, Red Bull, Riegeln, Gel, Salzgebäck, Kuchen und Trockenobst sowie Äpfeln und Bananen, teilweise auch Zitrusfrüchte. Dazu noch Schwämme mit kaltem Wasser.

Nach 2 Kilometern stoppe ich kurz die Zeit. Ich bin noch zu schnell unterwegs. Unter 10 Minuten, das kann nicht gut gehen.

Geht's auch nicht. Nach 3 KM beginnt der Ofen auszugehen und fängt das langsame Sterben an. Rücken und Beine wollen nicht mehr so gerne laufen. Also nehme ich mir vor, an jedem Verpflegungsstand zu gehen und zwischendurch langsam zu laufen. Ich bin einer unter vielen. Man lernt sich kennen - vom sehen her zumindest. Am Verpflegungsstand KM 3 gönne ich mir auch die erste Pinkelpause seit heute früh. Das hilft schon für einen Moment.

Hilfreich sind auch die Schwämme, die ich mir über den Kopf ausdrücke und das Eis, das ich mir unter die Laufkappe stecke.

Wasser, Iso, Cola und all das andere Zeug kann ich schon bald nicht mehr sehen. Ich will ein Bier! Bekomme aber keines.

Bei Kilometer 7 sehe ich Christine. Möchte ihr sagen, dass ich aufgeben möchte. Weil ich aber gerade am Laufen bin, halte ich auch nicht an und sage nichts. Als Motivation bekommen wir bei KM 8 das Band für die erste absolvierte Runde. Die ist zwar noch nicht um, aber die 2,5 KM bis zur Wechselzone schaffe ich zur Not noch auf dem Zahnfleisch. Knapp 52 Minuten benötige inklusive der Pinkelpause für 10 KM - da gibt es doch nichts zu meckern.

Ich rechne hoch: 7:50h bin ich jetzt unterwegs. Es bleiben noch 4 Stunden und 10 Minuten für 32,5 KM. Das soll doch wohl gehen oder? Der spätere Sieger Timo Bracht wird schon angekündigt. Er hat nur noch 18 Minuten vor sich...

Kurz vor dem Beginn meiner zweiten Runde überholt mich Lothar Leder, der jetzt abgeschlagen auf seine letzte Laufrunde geht. Mit seinem 10.Platz wird er nachher nicht zufrieden sein können - die Zuschauer feuern ihn pausenlos an. Bei allem Respekt: Mir würde das dermaßen auf den Geist gehen! Wenn du weißt, dass du im zweiten Jahr in Folge deine lebenswichtige Hawaii - Qualifikation verpasst und dann sekündlich dieses "Loddar, subber", "Loddar, du machst das.." hörst. Naja. Er ist Profi und ich eben nicht.

Mein Name wird jetzt auch häufiger gerufen. Das liegt wohl daran, dass ich häufiger und länger gehen muss. Schietkram. Hier und da ein kurzer Schnack mit den Zuschauern ist aber auch ganz lustig. Aufgeben will ich auf der zweiten Runde immer noch. Dann kommt aber wieder etwas Motivation durch. Den Halbmarathon will ich in jedem Fall schaffen. Und schon zündet im Hinterkopf der nächste Gedanke, dass ich dann ja schon die Hälfte geschafft habe. Den Halbmarathon habe ich nach rund 2 Stunden absolviert. Ich werde immer langsamer.

Eines steht jetzt fest. Ich bin zu alt für diesen Scheiß! Ich mache nie mehr eine Langstrecke. Weder im Triathlon noch laufe ich einen weiteren Marathon. Den auf Mallorca schon gar nicht. Scheiß auf das bereits gezahlte Startgeld!
Mitteldistanzen und Halbmarathon - das geht ja gerade noch so mit dem Rücken. Aber das hier.... Neee. Nicht mit mir.

Für die letzten 10,5 KM brauche ich schon 1:01h, liege aber immer noch gut im Plan

Spätestens, als ich auf die dritte Laufrunde gehe, ist klar, das ich das Ding jetzt zu Ende bringen werde. So oder so. Basta. Her also mit dem abgestandenen Wasser, mit der lauwarmen Cola und dem Chemie-Gebäu. Ein paar Cracker und Salzbrezel oder Bananenstücken.

Von Laufen kann mittlerweile kaum noch die Rede sein. Gehen oder Stehen und die Badscheibe zurecht biegen. Wasser über den Schädel gießen. Und sich weiterschleppen. Wir sind eine Armee der Fußkranken. Einige laufen noch recht flott. Aber die sind entweder schon im Endspurt und fangen den Marathon gerade erst an. Arme Schw...

Mittlerweile gehöre ich zu denen, die schon 3 Bänder tragen. 1:09h für die 3. Runde.

Ich beginne mich von einigen Helfern und Zuschauern zu verabschieden "Noch einmal komme ich hier nicht vorbei".

Ab dem letzen Verpflegungsstand beginne auch ich wieder mit dem Laufen. Das Grinsen kehrt wieder in mein Gesicht zurück, ebenso, wie die Gänsehaut. Nur noch 1,5 KM! Die Zuschauer jubeln alle nur für mich. Ich freue mich schon auf die letzten 200 Meter den Römerberg hoch.

Die letzte Kurve. Der rote Teppich!. Palmen. Lärm ohne Ende. Musik. Jubel. Fast kommen mir Freudentränen in die Augen. Ich reiße die Arme hoch, klatsche Hände ab, juble selbst. Nichts tut mir mehr weh. Im Zielbogen sehe ich, das das Finisher-Foto wohl nichts wird. ein kleiner Junge steht dem Fotografen genau vor der Linse  :-))

Ich bekomme eine - MEINE (!) Medaille umgehängt. Ein Reporter fragt mich nach meinem Gefühl während des Laufs über den roten Teppich. Ich finde keine Worte.

Unbeschreiblich.

Am Ende des längsten Tag des Jahres steht eine Uhrzeit. 11:22:31,9 Stunden.

Sie sind wie im Flug vergangen. Nicht nur im Nachhinein. Lediglich der Marathon hat die Geduld ein wenig überstrapaziert.

Das war's -  und jetzt?

 

 


 

 

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