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Baden im Langener Waldsee - Aufzug zum ersten Akt.

6:25h: die Moderatoren weisen immer häufiger auf die
Uhrzeit und auf den bevorstehenden Start hin.
Nachdem jetzt bekannt gegeben
wird, dass die ersten zwei "Badekappen" im Wasser gesichtet worden sind, gibt es
kein Halten mehr. Auch ich ziehe mir jetzt meinen Neoprenanzug an, gebe meinen
weißen "After-Race-Beutel" am Kleiderwagen ab und gehe zum Schwimmeinstieg.
Viele der Athleten sind in sich gekehrt und konzentriert, reden nicht sehr viel,
das entsprich sehr meinem Naturell.
Immer wieder frage ich mich, was der Tag wohl bringen wird. Das ich das
Schwimmen überstehen werde, ist keine Frage. Auch das Rad fahren schreckt mich
nicht so sehr, obwohl ich erst einmal 170KM am Stück gefahren bin. Ich rechne
mit einem toten Punkt irgendwo ab KM 130 herum. Aber dann sind es ja nur noch 50
KM zu fahren. Sorgen mache ich mir über eine mögliche technische Panne. Obwohl
ich diese Fälle oft in Gedanken durchgespielt habe, habe ich keine Lösung
gefunden, wie ich in dem Fall der Fälle mental damit umgehen würde. Abwarten
also.
Meine größte Sorge ist die Ungewissheit, wie lange die Bandscheibe das
Spielchen, besonders beim abschließenden Laufen, mitmachen wird. Hier rechne ich
mit erheblichen Schmerzen im Rücken und in den Beinen - im Gegensatz zur Panne
kann ich damit aber umgehen.
Noch 15 Minuten bis zum Start. Ich bin ungewöhnlich früh im Wasser gewesen und
habe mich ein wenig warm geschwommen. Die Wassertemperatur liegt bei 19,5 Grad,
ideal für das Schwimmen im Neo.
Ein toller Blick ist der aus dem Wasser zurück zum Schwimmeinstieg und zum
Strand. Ein Heer von meist grünen Badekappen (die Farbe der
Altersklassen-Athleten) ergießt sich in den See. Wie die Lemminge...
Um kurz vor 7 wird die Nationalhymne gespielt. Die
letzte Möglichkeit, noch etwas weiter nach hinten zu schwimmen um dem gröbsten
Startgedrängel zu entgehen.
Um Punkt 07:00 Uhr ertönte der Startschuss zum
"Längsten Tag des Jahres". Zu meinem persönlichen Abenteuer des Jahres. Nach der
letzen Mitteldistanz in Hannover vor 4 Wochen hatte ich mich noch gefragt, die
es wohl gehen soll, die Gesamtstrecke zu verdoppeln. Nun werde ich es bald
spüren
Mit dem Startschuss beginn die große Keilerei.
Tritte und Schläge bleiben nicht aus. Jeder versucht sich so schnell wie möglich
frei zu schwimmen, was bei über 2.000 Athleten aber etwas problematisch wird.
Zwischendurch werde ich schon mal untergetaucht. Da hilft nur eines: ebenfalls
austeilen. Die Orientierung fällt mir wie immer im offenen Gewässer etwas
schwer, zumal die Brille schon vor dem Start anfing, zu beschlagen. Ich versuche
soweit es geht außen zu schwimmen, komme dabei aber immer wieder vom Kurs ab und
verliere vermutlich unnötig Zeit. Zeit und vor allem Energie.
An der ersten Wendeboje nach rund 800 Metern bekomme
ich ein wenig Angst. Das Gedränge wird so stark, die häufig untergetaucht werde
und mehr Körperkontakte habe, als mir lieb ist. Außerdem verhakt sich noch
jemand an meinem Transponder am Fußgelenk, der ab jetzt bei jeder Bewegung vor
sich hin schlackert und ich befürchten muss, ihn zu verlieren.
Kurz hinter der Wende bin ich überrascht. Der
angekündigte Landgang nach 2,2 KM ist schon da - aber nach 17 Minuten? Und wo
sind die Zuschauer? Ein Blick nach links zeigt, das wir uns wohl verschwommen
haben und außerplanmäßig über eine Landzunge gehen. Jetzt wird's ekelig. Wir
stehen bis zu den Unterschenkeln um braunen Schlamm. Ein Zeitvorteil bring uns
diese Aktion in keinem Fall. Zudem müssen wir auch wieder in das Wasser
eintauchen, dass an dieser Stelle nur eine einige braune Brühe ist. Bloß nichts
davon in den Mund bekommen...
Der offizielle Landgang kommt dann auch beizeiten.
Das Feld der Schwimmer hat sich jetzt gut auseinander gezogen, Gedrängel bleibt
im Prinzip aus. Ich schwimme jetzt ganz links außen meinen eigenen Törn und habe
das Gefühl, ganz gut voran zu kommen.
Die letzte Wendeboje - noch 800 Meter. Ich fühle
mich nach wie vor gut. Die Arme sind nicht schwer und das Schwimmen macht Spaß.
Nach 1:13h komme ich schon aus dem Wasser.
Unfassbar. Im besten Fall hatte ich mit 1:20 - 1:25h gerechnet. An Land
komme ich gleich gut zu recht, habe keine Gleichgewichtsstörungen. In der
Wechselzone finde ich meinen Wechselbeutel auch sofort - einer der Wenigen, die
noch an "meinem" Rahmen hängen.
der zweite Teil des Events: eine Radtour
durch die Wetterau und den Taunus
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