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Des einen Leid ist des anderen Freud – sagt man so.

 

8 Monate nicht akribische aber intensive Vorbereitung auf einen einzigen Tag, auf den „Quelle Challenge Roth 2008“.

8 Monate bedeuten in meinem Fall seit 1. November 2007:

- 1.904 KM Laufen

- 4.212 KM Radfahren

-    128 KM Schwimmen

Und 63:15 Stunden  Kraft- und Rückentraining, was insgesamt einen Zeitaufwand von etwas über 395 Stunden ausmacht. Lediglich 39 Tage waren komplett „sportfrei“.

 

Zum letzten Wochenende:

Noch bei der Anreise am Freitag herrschte sonniges und heißes Wetter mit Temperaturen um die 31 Grad vor, was sich im Laufe des späten Nachmittags ändern sollte. Zum Teil heftige Gewitter und Starkregen zogen über Teile Bayerns hinweg und ließen auch den Landkreis Roth nicht unberührt. Wir holten noch die Startunterlagen ab, bummelten durch Roth und beschlossen den Abend mit einem leckeren Essen bei einem Griechen um die Ecke in Spalt.

 

Der Samstag begann regnerisch, aber nicht unangenehm. Den Vormittag verbrachten wir auf der Triathlonmesse und ein wenig Sightseeing – immer wieder unterbrochen von Regenschauern.

Ab 13:00 Uhr war Rad-Check-In in Hiltpoltstein. Lange Reihen von Triathlonmaschinen standen bereits unter gelben Planen im Parc Fermé, als ich gegen 14:00 Uhr dort eintraf und mein Lieblingsrad für mehr als 12 Stunden alleine lassen musste.  ;-))

Zwischenzeitlich und nach einem leckeren Nudelessen in Roth, war noch eine kleine Mountainbike-Tour mit Jennifer von unserer Ferienwohnung in Spalt zum nahen Brombachsee drin, bevor das nächste Unwetter aufzog

Am späten Abend klarte es dann bei deutlich kühleren Temperaturen und besserer Luft jedoch wieder auf, was mir Anlass zu der Hoffnung gab, dass sich die Wetterfrösche in ihrer Voraussage geirrt haben würden. Wobei: „regnerisches Wetter und um die 18 Grad“ klingt doch so schlecht nicht.

21:30 Uhr: Licht aus und schlafen.

 

Sonntag – Race-Day:

Nach einer kurzen Nacht wachte ich bereits um 01:15h auf. Kurz danach fing es an zu regnen. Wider Erwarten und entgegen allen Hoffnungen sollte sich das im weiteren Tagesverlauf nur in der Intensität ändern. Lediglich ca 1-2 Stunden waren am Nachmittag regenfrei.

Um 3 Uhr klingelte der Wecker und befahl zu Essen und zu Trinken, damit die Verdauung in Gang kommt. Müsli, Laugenbrötchen vom Vortag, heiße Schokolade und etwas Minerale. Das muss reichen. Bereits um 4:30h brachte mich meine Familie zum Schwimmstart in Hiltpoltstein. Schon nach den 20 Minuten auf dem Weg vom Auto bis zur Wechselzone war die Kleidung durchgeweicht. Schade, wenn man bereits im Vorfeld weiß, dass diese Kleidung auch die für nach dem Zieleinlauf darstellt und sicher nicht durch die Veranstalter getrocknet wird.

So war ich dann noch der obligatorischen Oberarmbeschriftung mit der Startnummer nur kurz bei meinem Rad um die Trinkflaschen aufzufüllen bzw. anzubringen und habe mir dann ein Plätzchen unter einem Baum gesucht.

Die Veranstalter hatten das Umkleidezelt, welches für den Wechsel nach dem Schwimmen gedacht war, trotz des Dauerregens nicht geöffnet. Um mich wenigstens etwas warm zu halten, tat ich es vielen anderen Athleten gleich und hatte mir schon 1 Stunde vor meinem Schwimmstart den Neoprenanzug übergezogen. Das gab mir wenigstens genug Zeit, diesen korrekt und ohne Falten anzuziehen ;-))

Leider kam wegen des schlechten Wetters und der geringeren Zuschauerzahlen trotz aller intensiven Bemühungen der Veranstalter nur mässige Stimmung in der Wechselzone auf. Mit unter 14 Grad war es mir (und vermutlich vielen anderen) einfach zu kalt.

So war das Schwimmen, was ja sonst nicht unbedingt meine Lieblingsdisziplin darstellt, dann dieses Mal auch die angenehmste. Die Wassertemperatur lag bei knapp über 20 Grad und der Neoprenanzug ließt die Temperaturen angenehm erscheinen.

Warum auch immer startete ich bereits in der zweiten Startgruppe pünktlich um 06:55h, nachdem die Profis, Frauen und Männer über 50 bereits um 06:20h nach einem Böllerschuß an den Start gegangen waren. Nach uns starteten im Abstand von jeweils 5 Minuten weitere 10 Gruppen.

Das Schwimmen kam mir erstaunlich einfach vor, die große Prügelei wie in Frankfurt oder auch anderen, kürzeren Veranstaltungen blieb wegen der kleineren Startgruppen und der Breite des Main-Donau-Kanals weitgehend aus. Natürlich habe ich mich auch wie immer etwas weiter hinten eingereiht.

Wie dem auch sei: Nach mir unerklärlichen Gründen entstieg ich bereits nach 01:05:53h den trüben Fluten. Das sind im Vergleich zu den schnellsten Schwimmern (Profis)  nur 17 Minuten langsamer und nebenbei eine neue persönliche Bestzeit.

Den ersten Wechsel brachte ich wider Erwarten stressfrei hinter mich. Meinen Kleiderbeutel fand ich in den langen Schlangen sofort, den Neo konnte ich zügig und ohne Beinkrämpfe ausziehen. Allerdings machte ich nun einen ersten Fehler: Ich vertraute noch immer der Wettervoraussage (morgens regnerisch und am Mittag trocken und etwas wärmer) und verzichtete auf meine dünne Regenjacke, die im Nachhinein zumindest den Wind etwas hätte abhalten können. Nach 04:25 Minuten saß ich dann frierend aber zufrieden auf dem Rad, welches ich auch fast auf Anhieb wieder gefunden hatte.

Die ersten Kilometer auf dem Rad waren zwar nicht angenehm, die Oberschenkel wollten ihren Dienst noch nicht so verrichten. Aber daran gewöhnt man sich und ignoriert die Schmerzen, wenn man aus Erfahrung weiß, dass sich dass nach spätestens einer Stunde von selbst reguliert. Das war auch in Roth nicht anders.

Zu schaffen machte mir von Beginn an der Dauerregen. Wasser von oben, vom Vordermann (-frau) und von unten (Spritzwasser der Räder). Der Tacho zeigte permanent eine Temperatur von 14 Grad an, gefühlt war es deutlich weniger.  Die erste Runde der anspruchsvollen Radstrecke war dann trotzdem schon nach 2:46h erledigt, wobei die Anstiege am Kavalierenberg in Greding und am Solarer Berg in Hiltpoltsein trotz der fehlenden Zuschauermassen aus den Vorjahren immer noch die Highlights waren. Leider wurden die Zuschauer schon auf der zweiten Runde weniger. Die von den Zeitungen gemeldeten 90.000 kann ich insgesamt nicht nachvollziehen. Ab circa KM 120 fühlte ich mich dann auch recht unkomfortabel auf meinem Rad. Ein Toilettengang in einem Gebüsch wurde fällig, da ich ja trotz des Wetters regelmässig trinken und Nahrung zu mir nehmen musste. Natürlich schwitzte ich bei weitem nicht so, wie noch vor einem Jahr in Frankfurt. Die Anstiege wurden anstrengender, die Oberschenkel und die Nackenmuskulatur verspannte immer mehr.

Nach 05:38h war ich dann mehr als froh, als ich nach knapp 180 KM und 1.443 Höhenmetern unfallfrei und pannenfrei die 2. Wechselzone in Roth erreichte. Der Kilometerschnitt war mit etwas über 31,3 KM/h nicht überragend, stellt mich aber in Anbetracht der Umstände durchaus zufrieden.

03:25 Minuten dauerte der zweite Wechsel vom Radabstieg bis zum Beginn der Laufstrecke. Helfer nahmen das Rad in Empfang, unterstützten die Suche nach dem Kleiderbeutel (lagen im Regen) und nahmen ihn auch wieder in Empfang. Endlich konnte ich (vorübergehend) etwas trockene Socken und Schuhe anziehen. Hier passierte mir dann auch der zweite Fehler: Es hatte etwas aufgehört zu regnen und wieder vertraute ich auf die Vorhersage (trockener und wärme ab Mittag…). Meine eingepackte dünne Weste ließ ich deshalb in der Wechselzone zurück.

Nach insgesamt 06:51:26h begab ich mich dann also auf die Laufstrecke. Meine Lieblingsdisziplin. Immer noch. Warum auch immer…

Christine und Jennifer standen schon kurz hinter der Wechselzone an der Strecke, leider war es das einzige Mal an diesem Tag, dass wir uns sahen.

Von Anfang an bremste ich mein Tempo, die beiden Halb-Ironmans in der Vorbereitung hatten gezeigt, dass ich immer noch zu schnell anlaufe und den Puls in besorgniserregende Regionen treibe ;-)).

Bis KM 15 lagen die KM-Splits wie geplant bei knapp unter 5 Minuten. Danach begann der altbekannte Ärger. Nicht nur die Bandscheibe regte sich, besonders die Kälte und die Feuchtigkeit ließen die Muskeln, insbesondere im rechten Bein immer mehr verkrampfen und zwangen zu Gehpausen und Dehnübungen.

Die Halbmarathonmarke erreichte ich nach insgesamt 08:45h. Damit lag ich auf die Minute genau im Zeitplan um in 10:45h zu finishen. Leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt, dass ich das an diesem Tag auf keinen Fall realisieren konnte. Die Wanderpausen wurden länger. Hinzu kam, dass ich das Essen nicht mehr vertrug und mir ab einem Puls von 120 übel wurde.

Nach mehr als einer Stunde Trockenheit klarte nun auch der Himmel wieder auf: zum Wolkenbruch. Die Laufstrecke verwandelte sich von einem Schotter- zu einem Schlammweg mit großen Pfützen und kleinen Bächen. Auf den asphaltierten Streckenabschnitten stand bzw. floss dass Wasser in Strömen.

Der Rest ist kaum noch der Rede wert: Während ich erneut mit meinem Schicksal haderte wurde ich von Heerscharen von Athleten(innen) überholt, was mir mental weiter zusetzte. Eines war spätestens bei KM 27 klar: Das war bis auf weiteres meine letzte Langdistanz. Ich hatte vergessen, wie sehr das Laufen schmerzen kann. Der für in drei Wochen geplante Start beim Ostseeman über dieselbe Distanz wird storniert. Basta. Halb-Ironmans sind OK, aber was darüber hinausgeht – nicht mehr.

Einzig die Tatsache, dass ich noch niemals ein Rennen aufgegeben hatte, trieb mich weiter von an. Bis ins Ziel.

Hier blieb die offizielle Uhr nach 11:36:10h stehen. 49 Minuten später als geplant, was besonders meine Familie sehr unruhig gemacht hatte.

Nachdem ich zitternd vor Kälte endlich meine Kleidung (feucht) wieder gefunden hatte, kam ich langsam wieder zu mir. Auf die überfüllte Dusche im Container mit Umziehen unter freiem Himmel verzichtete ich lieber und freute mich auf meine warme Unterkunft in der Ferienwohnung.

Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Besonders die Top-Frauen waren in diesem Jahr gut drauf. Mit Yvonne van Vlerken (Niederlande) und Erika Csomor (Ungarn) blieben gleich zwei Frauen unter der seit 1994 gültigen Weltbestzeit von 08:50:53.

Bei den Männern siegte in 08:09:34 der Franzose Vernay vor Pete Jacobs (AUS) in 08:12:53.

Bester Deutscher auf Platz 6 und damit Deutscher Meister wurde erneut Thomas Hellriegel, der sich allerdings genauso einen Sieg erhofft hatte, wie Stephan Vuckovic (Platz 9, 08:31:33)

Der von 2004 – 2007 in Roth und vor einer Woche bei IRONMAN in Frankfurt siegreiche amtierende Weltmeister Chris McCormack stieg bereits nach 80 KM auf dem Rad aus dem Rennen aus.

Montag – After Race Day:

Platz 1.240 (Altersklasse M 40: 317).

Schmerzen habe ich heute im Prinzip keine mehr. Sicher, die Oberschenkel sind sehr angespannt und die Sprunggelenke rühren sich auch. Aber von einem Muskelkater oder wirklichen Schmerzen kann keine Rede sein. Das ist gut so. Nüchtern betrachtet ist es wohl so: Meine zweite Langdistanz und zweimal ähnliche Erfahrungen mit der Bandscheibe und den Muskeln. Trotz eines deutlich verbesserten Trainings (Rücken und Rad) habe ich mein gestecktes Ziel nicht erreichen können.

Gut ist auch, dass ich ein weiteres Mal nicht aufgegeben habe. Schwimmen und Rad fahren haben weitestgehend Spaß gemacht.

 

Fazit:

Was stört mich mein Geschwätz von gestern? In knapp drei Wochen starte ich über die Ironman-Distanz beim Ostseeman in Glücksburg. „Natürlich“ – habe ich heute der erstaunten Familie erklärt.

Und ausserdem beginnt in knapp 1 Stunde die Onlineanmeldung zum IRONMAN Austria 2009 in Klagenfurt, der zufällig in die niedersächsischen Sommerferien im nächsten Jahr fällt. So lange bleibe ich noch wach.

Eine einzige Einschränkung erlege ich mir allerdings ab sofort auf: ich werde mir auf diesen Distanzen keine Zeitvorgaben mehr machen. Ausnahmsweise akzeptiere ich entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten die olympische Regel „Dabeisein ist alles“ – Naja annähernd zumindest; denn eine gute Leistung möchte ich immer abgeben und ein Ziel brauche ich ja auch um anständig trainieren zu können. Eine Hawaii-Teilnahme jedenfalls muss und wird es nicht geben, es sei denn, ich erreiche sie zufällig  ;-)))

 


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IROMAN-PROJEKT.DE  Version 3.10; Stand: 20.12.2009