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Familienseiten:



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IRONMAN AUSTRIA 2009
Raceday
Vorstart
Sonntag Morgen um 03:30h ist die Welt noch in
Ordnung. Ich habe trotz der Schmerzen im Bein relativ gut geschlafen und nehme
frohen Mutes mein erstes Frühstück ein. Christine und die Kinder haben auch
wenig Probleme mit dem frühen Aufstehen, so können wir planmäßig um 5:15 Uhr
nach Klagenfurt aufbrechen.
Ein Verdauungsproblem müsste vor dem Start noch
gelöst werden. Allerdings sind die Toiletten an der Autobahn entweder überfüllt,
oder so dreckig, dass ich eine Benutzung für mich ausschließe. Ich hoffe auf ein
sauberes Dixie im Startbereich, wo wir kurz vor 6 Uhr eintreffen. Noch eine
Stunde bis zum Start. Hier herrscht schon geschäftiges Treiben, mehr als ich
erwartet habe. Somit fällt ob der sich bildenden Schlangen vor den Örtlichkeiten auch das Geschäft aus.
In der Wechselzone freue ich mich darüber, dass
mein Bike noch an der Stelle steht, wo ich es gestern abgestellt habe. Im
Gegensatz zum IM Germany in Frankfurt ist es möglich, jetzt noch eine eigene
Luftpumpe in den Wechselbereich mitzunehmen, und den nötigen Druck in die Pneus zu bringen.
Für 9 Bar entscheide ich mich heute. 10 könnten die Reifen ab, aber die Hitze
kommt ja noch dazu. Die Trinkflaschen sind ebenso schnell am Rad angebracht bzw.
aufgefüllt, wie die Gels und Riegel. Ich habe mir vorgenommen, pro
Wettkampstunde 1 Gel oder Riegel zu essen. Trinken möchte ich ca. 1
Flasche auf 20 KM - das hat in Frankfurt und beim Ostseeman ganz gut geklappt
und deckt sich in etwa mit den Abständen zwischen den Verpflegungsständen. Bei
den Gels und Riegel vertraue ich auf die von POWERBAR. Beim Trinken fange ich
mit einer Flasche Wasser mit etwas löslichem Tee zur Geschmacksgewinnung an und
steige dann um auf ein Maltodextrin-Gemisch. Eine Flasche davon ist bereits fertig
gemischt am Rad, eine weitere Flasche enthält ein Konzentrat, aus dem ich
unterwegs mit Wasser weitere 4 Flaschenfüllungen generieren kann. Das macht
schon Mal 6 Flaschen = 120 KM.
In
derselben Radreihe treffe ich einen Triathleten, mit dem ich schon vor zwei Jahren
in Frankfurt im Bus zum Rad-Check-In gefahren bin. Wir haben uns damals angeregt
und nett unterhalten, so dass uns die unkoordinierte Fahrweise des Busfahrers
nicht so lang vorkam, wie sie tatsächlich war. Udo kommt aus Hamburg und
startet in der AK M70. Respekt. Leider muss ich später feststellen, dass er das
Rennen nicht beendet hat.
Außerhalb der Wechselzone treffe ich mich wieder
mit meiner kleinen Familie. Hier kann ich die Luftpumpe und die Dinge
"entsorgen", die ich jetzt nicht mehr benötige. Die Straßenkleidung für nach dem
Rennen verschwindet im Kleiderbeutel und mit diesem bei der Abgabe im "Dome".
06:20h Strandbad Klagenfurt
Das Bad ist schon gut gefüllt mit Zuschauern,
Supportern und Sportlern natürlich. Aus den Lautsprechern kommen unentwegt
Ansagen, Hinweise, Animation und natürlich gute Musik von AC/DC, Vangelis,
Status Quo. Den Neoprenanzug ziehe ich aller Ruhe an, viel reden mag ich
jetzt nicht mehr. In dieser Phase kurz vor einem Rennen bin ich gerne innerlich
mit mir alleine. Das weiß meine Familie und darum ist es gut, das wir uns gegen
6:30h von einander verabschieden. Die Schlange vor dem Eingang zur Wettkampfzone
ist jetzt recht voll geworden. Ich lausche der Musik, genieße die angenehme
Kühle und die im Rücken aufgehende Sonne und taste mit Schritt für Schritt zum
Stand vor. Der Himmel ist nur leicht bewölkt, wir haben wie in den letzten Tagen
kaum Wind. Zwischendurch helfe ich noch einem Athleten, den Neo zu schließen.
"
Schnelle Schwimmer rechts, langsamere links". Links also für mich.
Ich fühle mich merkwürdig gelöst. Keine
Anspannung. zu diesem Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass ich das Rennen noch vor
dem Halbmarathon beenden werde, vielleicht schon auf dem Rad. Das macht
mich ein wenig traurig, aber nicht ärgerlich. Es ist wie es ist und kommt wie es
kommt.
6:55h
Noch 5 Minuten. So richtig eng ist es nicht, hier
am Strand. Die Anspannung, diese merkwürdige Ruhe vor dem Start ist fast
fühlbar. Kaum jemand spricht. Einige kennen sich andere lernen sich gerade
kennen. Wieder andere haben Familie oder Freunde am Zaun entdeckt und
verabschieden sich noch einmal. Die meisten aber sind wie ich für sich alleine,
in sich gekehrt. Schön ist das.
7:00 Uhr. Startschuß.
Och, den habe ich doch glatt verpennt.

Ich laufe aus der letzten Reihe los, drücke
schnell noch meine Uhr und los geht das Geprügel um die besten Plätze.
Ohne große Rücksicht wird jetzt der kürzeste und schnellste Weg zur nächsten
Boje gesucht, und oft nicht gefunden. Auf den ersten 500 Metern habe ich
mehrmals das Gefühl ertrinken zu müssen. Etwas später packt mich jemand an der
linken Schulter, drückt mich herunter und überschwimmt mich. Idiot. Zum
Glück schmeckt das Wasser des Wörthersee's nicht sooo übel.
Ich bin immer froh, wenn mir niemand die Schwimmbrille vom Kopf haut. Das wäre
wahrscheinlich der Super-GAU; vermutlich würde ich eine oder beide Kontaktlinsen im
Wasser verlieren. Damit wäre das Rennen beendet. Radfahren ohne Brille geht
nicht. Wahrscheinlich würde ich weder meine Wechselsachen noch mein Rad finden.
Es ist schon komisch. Vor dem Start sind wir alle
eine große Familie, helfen uns gegenseitig, wo immer es geht, plaudern reden,
klagen unsere Wehwehchen. Beim Schwimmen, gleich, ob es 500 Meter im Becken oder
3,8 KM im Freigewässer sind, versagt die Freund/Feind-Kennung. Es gibt nur noch
Feinde. Erst nach einiger Zeit auf dem Rad wird das besser und auf der
Laufstrecke ist die Familie wieder vereint. Vielleicht noch ein kurzer Disput
beim Zieleinlauf, aber spätestens nach der Zeitnahme liegen wir uns wieder alle in den
Armen und klatschen einander ab.
Das
Gedrängel verstärkt sich vor und an jeder Boje. Vollkommen gleich, ob diese nur
passiert werden muss, oder ob es sich um eine Wendeboje handelt. Wie die
Lemminge wird auf die Nächste zugeschwommen. Dumm nur, wenn sich einer
verschwimmt und eine Werbepuppe an Land (in Frankfurt) ins Visier nimmt und
diese anschwimmt.
Zwischenzeitlich glaube ich ganz gut in der Zeit
zu liegen. Ich habe mir jetzt einen Platz ganz rechts außen erkämpft. Dafür muss
ich vielleicht ein paar Meter weiter schwimmen, kann aber einen vernünftigen
Rhythmus finden. Bis... Ja bis die Einflugschneise zum Lendkanal kommt. Hier
müssen wir, ob wir wollen oder nicht, das Feld auf ca. 15 Meter Breite
verschmälern. Was kommt ist klar. Und das auf rund 800 Metern. Da wird der
beschauliche Tümpel zum Haifischbecken. Das Wasser kocht. Solange man noch
Schmerzen verspürt, weiß man, dass man noch lebt.
Ich lebe noch und komme nach 1:08:25h aus dem
Wasser - aus eigener Kraft. Rang 667 insgesamt. Da sind noch knapp 2000 hinter
mir im Wasser.


Den Wechsel vom Schwimmen zum Rad fahren übertreibe
ich nicht. Der Tag ist noch jung. 21 °C im Schatten ist es jetzt schon.
Ohne Schwierigkeiten finde ich meinen Kleiderbeutel, die Unterstützung einer
Helferin lehne ich dankend ab. Im Zelt kann ich mich auf eine Bank setzen und
den Neoprenanzug ohne die obligatorischen Krämpfe in den Waden ausziehen. Füße
abtrocknen, Socken und Schuhe an, Startnummer, Helm und Sonnenbrille auf und schließen.
Schwimmsachen in den frei gewordenen Beutel, den eine Helferin übernimmt und ab
zum Bike. Auf Sonnencreme verzichte ich - ich bin vorgebraten und rechne nicht
mit einem ernsthaften Sonnenbrand. Zudem mag ich das Geschmiere generell nicht.
Das Rad ist ja einfach zu finden, im Laufschritt geht es durch die noch recht
volle Wechselzone. So schlecht war mein Schwimmsplit also nicht. 4:56
Minuten hat der Wechsel gedauert, dann sitze ich sicher im Sattel, liege jetzt
auf Platz 683.
Ich fühle mich schnell sehr wohl, was ungewohnt für mich ist. Normalerweise habe
ich nach dem Schwimmen immer einen viel zu hohen Puls und die Beine tun
auf den ersten 15 KM weh. Diesmal kann ich direkt Druck machen. Durch die
Vielzahl der Athleten, die in zu diesem Zeitpunkt den Wechselgarten verlassen,
ist ein Windschattenfreies fahren fast unmöglich. Ich versuche mich aus dem
Gröbsten herauszuhalten, sehe es aber auch nicht ein, mich ständig zurück fallen
zu lassen. Teilweise überholen wir zum dritt oder viert, was eigentlich auch
nicht erlaubt ist. Die Marshalls haben ein Einsehen, ermahnen gelegentlich
Fahrer die Abstände einzuhalten oder schneller zu überholen. Erst ab ca. KM 25 werden die Ermahnungen schärfer. Das Feld zieht sich
aber erst an dem Anstieg nach Egg am See auseinander. Den Berg kenne ich nun
schon und kann ich recht locker hoch fahren. Die beiden Trainingsrunden haben
sich schon jetzt gelohnt. Etliche Plätze kann ich gut machen und
liege jetzt auf Platz 649...
... und später wieder verlieren, wenn es in die
Gerade und für 5 KM in den noch schwachen Gegenwind geht.
Direkt vor mir pinkelt einer im Fahren und gießt sich dabei eine Flasche Wasser
über die Hose.
In Internetforen scheiden sich bei diesem Thema ja die Geister. Ich gehöre zu
denen, die sich weder auf dem Rad noch beim Laufen erleichtern. Wo ein Drang
ist, ist auch ein Gebüsch oder ein Dixie. Bei jeder Langdistanz suche ich über
zig-Kilometer nach einem geeignetem Platz zum pinkeln. Ich stelle mich nicht
einfach irgendwo an die Straße oder pisse über das Rad! Benehmen und Pietät
gehören für mich auch dazu. Vielleicht wäre das anders, wenn ich um Minuten oder
Sekunden für die Hawaii-Qualifikation kämpfen würde.
Wie dem auch sei. ich muss diesen Menschen, der eigentlich etwas schneller als
ich unterwegs ist, überholen.
Ab KM 35 geht es Richtung Rosegg leicht bergab.
Zeit um ein gutes Tempo zu machen, ohne zu überziehen. Ich weiß, das es
zwischen Rosegg und Velden einen längeren, aber nicht steilen Anstieg gibt, der
trotzdem anstrengt. Hier muss man ein wenig aufpassen, Es herrscht Gegenverkehr.
Es kommen noch immer Teilnehmer aus Klagenfurt, die Richtung Egg fahren, d.h.
ich habe schon 30 KM Vorsprung (ca. 1 Stunde) vor diesen Athleten. Und das auf
der ersten Runde! Mir selbst ist die Führungsgruppe an dieser Stelle entgegen
gekommen :-(
Weiter geht es Richtung Klagenfurt. Bei KM 62,5
kommen wir zum Ersten Mal am Fuße des Rupertibergs an. Das gemeine an
diesem Ding ist, dass man das Ende nicht sieht. Er schlängelt sich ein
wenig am Waldesrand entlang. Die Straße ist übersäht mit Namen, Startnummern und
Motivationssprüchen für und von Athleten, zum Teil noch aus den Vorjahren gut zu
erkennen. Auch wieder ein Pendant zum Ironman Germany: Dort ist es unter
Androhung von Strafen verboten, die Straßen zu beschriften, hier ist es
ausdrücklich (!) erwünscht. Ich finde das gut und es lenkt mich ab. Jedes Mal
sehe ich neue Namen und Sprüche.
Auch jetzt kann ich wieder viele Plätzchen gut machen. Corinne aus Frankreich
(?) fällt mir unangenehm auf, weil sie lautstark versucht, sich Platz zu
verschaffen. Zwischendurch wirft sie Mitten im Feld eine Trinkflasche auf die
Straße. Hoffentlich stürzt niemand drüber. Mit ihr habe ich länger zu tun.
Treffe sie an dieser Stelle auch auf der zweiten Runde wieder. Danach liegt sie
etwas hinter mir. In der Ergebnisliste wird sie später als "disqualifiziert
auftauchen". Da ist zwar schade wundert aber bei dem Verhalten nicht.
Den "Ruperti" habe ich auf der ersten Runde
so richtig gar nicht mitbekommen. Ich warte immer noch auf den zweiten Teil der
Auffahrt, als ich schon oben ankam. Platz 636.
Der Rest der Runde läuft dann gut und je weiter
wir zum Wendepunkt kommen, bergab. D.h:: Tempo machen. Erst 5 KM vor dem
Wendepunkt, am Stadion vorbei werde ich etwas langsamer. Vielleicht liegt es an
der Strecke, vielleicht habe ich auch einen kleinen Hänger. Sei's drum. Nach der
Wende (Rang 647 und 3:46:37h Wettkampfzeit) geht es wieder ab wie
geschnitten Brot. An einen Ausstieg verschwende ich keinen Gedanken.
Die zweite Runde läßt sich etwas langsamer an als die Erste. Liegt das an dem
fehlenden Windschatten? Ich glaube nicht. Ich werde wohl etwas müde. Dennoch
habe
ich das Gefühl noch ausreichend Reserven zu haben.
Zwischendurch hatte ich zu wenig gegessen und getrunken. Das muss ich jetzt
nachholen. Sonst ist in Egg Ende. Am Drau-Stausee hinter Rosegg ,muss ich dann
endlich auch Mal aus der Hose. Die kurze Rast ist eine Wohltat, auch für den
Rücken und die Beine. Die jetzt verlorenen Plätze hole ich mir in Egg zurück.
Hier erreiche ich meine beste Tagesplatzierung: 606.
Also kein Thema, obwohl mir der schon wesentlich schwerer fällt, als auf der
ersten Runde. Schon früh muss ich auf den Rettungsring herunterschalten, kann aber immer noch gut und überholen. Die anschließenden 5 KM Richtung Mallenitzen durch Ledenitzen
machen mir das Leben wieder schwer. Eine kaum wahrnehmbare Steigung mit jetzt
etwas stärkerem Gegenwind - und schon sinkt der
KM-Schnitt deutlich unter 30. Schietkram.
Die Temperaturanzeige steht jetzt bei 36°C
Unspektakulär die KM bis zum Rupertiberg, wo ich
mich doch tatsächlich etwas mehr quälen muss, aber nicht so, wie andere. Dennoch
sinkt die Durchschnittgeschwindigkeit und mit ihr die Motivation. Im
Nachhinein denke ich, dass ich zu wenig Kohlenhydrate zu mir genommen habe. Ich versuche
es mit Cola. An der ersten Verpflegungsstelle wird mir eine geöffnete volle 0,5 Ltr.
Flasche gereicht. So ein Tinnef. Was soll man damit? 0,5 ltr, trinke ich
nicht in einem Zug aus und kann sie auch nicht in den Flaschenhalter stellen.
Also: wegwerfen. Fast voll.
20 KM vor dem Ende der Radrunde versuche ich es
noch einmal. Wieder Cola. Wieder geöffnet. Diesmal aber nur halbvoll. Die
Flasche nehme ich in die linke Hand, blicke nach vorne und: Scheiße: Berg.
Schalten notwendig.
Wie denn? Mit rechts.
Die schweißnasse Hand rutscht über den Lenker hinweg, ich verliere das
Gleichgewicht und komme in einem Bushaltestellenhäschen zu liegen.
"Fuck!" Ist die erste Reaktion.
Zuschauer eilt
herbei um zu helfen, was (zum Glück) eine Schiedsrichterin unterbindet. Hilfe von
außen anzunehmen, und sei es nur, wenn jemand das Rad festhält, führt zur
Disqualifikation.
Das Vorderrad dreht sich nicht mehr, erst das komplette Öffnen der Bremse und
das biegen am Bremskörper bringt das Ding wieder zum Laufen, auch der Lenker ist verdreht. Zur Stillung der Blutungen an der linken Hand reicht mir
die Schiedsrichterin ein "Tempo" und zügig geht es weiter nach Klagenfurt. Ich denke,
dass ich durch diesen unplanmäßigen Stopp 3-4 Minuten verloren habe.
Zumindest bin ich wieder hellwach und motiviert weiter zu machen.
Nach 5:25:28h habe ich die 180 KM absolviert und
stelle mein Bike im Parc Fermé ab. Mit dem unsicheren Gefühl, nicht zu wissen,
wie es weitergeht.
Ich habe auf dem Rad nicht alles gegeben und war 2 Wochen nicht gelaufen um mir
überhaupt eine kleine Chance auf ein Finish offen zu halten. 6:38:50h
waren bis jetzt ins Land gegangen. Platz 730 overall.


Der Wechsel Bike-Run dauerte 05:14 Minuten. Das
geht schneller, aber ich habe ja nichts zu verlieren, suche noch eben ein
Dixie auf und verlor noch einmal 9 Plätze.
Ob Weh. Schon auf dem ersten KM jault das rechte rechte Bein und schreit nach
"aufhören". "Jetzt geht das nicht. Hier sind zu viele Zuschauer - ich laufe ganz
langsam"
Das mache ich dann auch. 2,5 KM bis zur ersten
Verpflegungsstelle, wo ich mir erst einmal zwei Schwämme mit schön kaltem Wasser
greife, dass ich über die Schultern und den Kopf verteile. Ich nehme mir vor
langsam zwischen den Verpflegungsstellen zu laufen, im Schnitt über 5 Minuten/KM
und an den Verpflegungsstellen so lange schnell zu gehen, wie es nötig ist, um
mich zu verpflegen und abzukühlen. Das klappt auch gut bis KM 10. Dann werden
die Schmerzen unerträglich und die Gehpausen länger. Schon jetzt bin ich (zum
Glück) einer unter vielen. Die meisten haben Probleme mit der hohen
Luftfeuchtigkeit und der Wärme. Der Weg zur ersten Wende (KM 7) in Krumpendorf
zieht sich unendlich hin. Von hier aus geht es zurück durch die Ironman City bis
in das Stadtzentrum vom Klagenfurt (KM17), zurück in die IronmanCity (KM
21,1) und dann auf die zweite Runde.
Ich versucht zwischendurch immer wieder zu
laufen, schaffe es aber zeitweilig nur 50-100 Meter, manchmal ein wenig mehr.
Oder weniger. Dort wo besonders viele Zuschauer standen, versuche ich zu
laufen.
Immer wieder kommen Anfeuerungsrufe und Motivationen von mir gänzlich unbekannten
Zuschauern und anderen Athleten, die manchmal das selbe Schicksal teilen.
Man lernt sich kennen auf 42 Km. Und man wird demütig!
Die Halbmarathonmarke kommt näher. Meine kleine
Familie habe ich bislang noch nicht gesehen.
Halbmarathon. Sollt ich hier, wie geplant aussteigen?
Mal überschlagen: Genau 9:00:40h habe ich seit heute früh bislang benötigt. Es
ist erst
16:00 Uhr und mir bleibt für den verbleibenden Halbmarathon noch Zeit bis 23:00 Uhr.
7 Stunden also noch. Das sollte reichen. Selbst, wenn ich rückwärts gehen würde.
Meine Familie treffe ich kurz danach. Das tut gut.
"Machst Du weiter?" fragt Christine. "Ich bin schon auf der zweiten Runde auf
dem Weg nach Krumpendorf, soll ich jetzt umdrehen?".
Weiter, immer weiter. Irgendwie. Der Triathlet
wird demütig. Spricht mit sich selbst, seinen Beinen, seinen Füßen und was immer
besprochen werden will und kann. Ein kurzer Schwatz mit einem/er anderem
Teilnehmer/in oder Zuschauer/in.
Durchkommen ist jetzt die Devise. Die Zeit ist ist sowieso im Eimer. Krumpendorf
durch, die Wende gepackt. noch 10 KM bis Klagenfurt und dann noch 4 Km zurück
ins Ziel. 14 Km also. Das ist weniger, als meine Hausrunde. Wenn ich sie laufen
könnte. Die Gehstrecken werden immer länger, mein Gesicht auch.
Die 2 KM durch die City versuche ich weitgehend
zu laufen. Zumindest dort, wo Kameras und Zuschauer sind.
Die letzen KM werden schwer. Sauschwer. 15 Marathons und 3 auf Langdistanzen bin ich gerannt. Keiner hat
so weh getan, wie dieser.
KM 40. Kommt, Alter 2 KM, die läufst du durch.
Und sagt ausgerechnet der Schweinehund, der innere. Zögernd komme ich dem nach,
noch immer eine Falle erwartend.
Aber es geht gut. Ich laufe am Parc Fermé vorbei,
nicke meinem Rad zu: "Ich hole Dich gleich ab, hoffentlich ist der Schaden nicht
zu schlimm". Noch einen KM. Der Abzweig
"Runde/Ziel" kommt. Noch 500 Meter, Die Glückshormone machen sich breit, Gänsehaut
lässt die Haare zu Berge stehen, Schmerzen treten in den Hintergrund. Tränen
habe ich in den Augen. Diesmal vor Freude, nicht
vor vor Schmerz.
Der Zielkanal. Unzählige bunt gekleidete Zuschauer, Lärm, Musik, Cheerleaders, Ansagen, eine Videoleinwand,
Hände wollen und werden abgeklatscht, die La-Ola mache ich selbst, ich laufe;
gehe nicht sondern laufe! Die Arme hoch zum Jubeln. Auf der Ziellinie werde ich
von einem Riesenkerl überholt, habe Angst wieder kein Finisher-Foto zu bekommen
und tauche unter seinen erhobenen Armen durch, hebe meine.
11:34:42h. Geschafft. You are an IRONMAN.
Zum 4. Mal habe ich....
... habe ich mich oder
... habe ich die Strecke bezwungen? Wohl beides.
Ein Helfer fragt besorgt, ob ich einen Doc
benötige, wegen des Blutes an meinen Händen. Nein. Mir geht es blendend.
Kreislauf OK, Kein Hunger, wenig Durst. Alles im grünen Bereich.
Jetzt bloß schnell in den Athlete's Garden - der
Absturz kann erfahrungsgemäß schnell kommen.
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